Auf der Suche nach kreativen Ideen? Langweile dich und du wirst fündig!

Langeweile sorgt für frische Ideen

Langeweile und Nichtstun sind in der Arbeitswelt verpönt. Nichts ist mehr geblieben von den Freuden des Müßiggangs. Dabei sollten wir uns wieder öfter langweilen. Das sorgt nämlich für kreative Ideen.

Es kommt hin und wieder vor, dass ich meine Kollegin, die mir gegenüber sitzt, unvermittelt anstarre. Dabei sehe ich sie allerdings nicht an, sondern versuche nachzudenken. Und das kann ich am besten, wenn ich meinen Blick auf etwas richte – ohne jedoch hinzusehen. Von außen betrachtet wirke ich wie eine Frau, die auf Kollegen starrt. Und nichtstut.

Ich tue allerdings nicht NICHTS. Mir hilft das Starren dabei, neue Ideen zu entwickeln, meine Gedanken zu ordnen oder eine Lösung für ein Problem zu finden. Manchmal denke ich auch gar nicht (sofern das überhaupt möglich ist) und gönne meinem Hirn einen kurzen Moment der Ruhe, um mit frischem Geist an die Arbeit zurückzukehren.

“Langeweile ist der Schlüssel zur inneren Balance – egal in welchem Alter. Diejenigen, die die Unruhe vorbeiziehen lassen, kommen in Kontakt mit ihrer Kreativität.”Jesper Juul

Das Verständnis, das mir meine Kollegin und meine Chefs für dieses Verhalten entgegenbringen, ist allerdings nicht selbstverständlich. In der modernen Arbeitswelt sind Nichtstun und Langeweile häufig negativ behaftet. Wer nichts macht, der leistet nichts.

Langeweile macht müde Kinder munter

Abgesehen davon ist das Gefühl der Langeweile für die meisten Menschen unerträglich. Das beste Beispiel sind Kinder. Sie langweilen sich schnell und sind dann fürchterliche Zeitgenossen (sage ich, die Mutter eines Kindes).

Erziehungswissenschaftler sind sich allerdings einig: Langeweile ist wichtig für die kindliche Entwicklung. So sagt der Familientherapeut Jesper Juul: “Langeweile ist der Schlüssel zur inneren Balance – egal in welchem Alter. Diejenigen, die die Unruhe vorbeiziehen lassen, kommen in Kontakt mit ihrer Kreativität.” Die Wissenschaftlerin Linda Caldwell hat ähnliche Beobachtungen gemacht. So bringe Langeweile die Kinder dazu, eigene Interessen auszumachen und diesen aktiv nachzugehen.

Auch Untersuchungen unter Erwachsenen haben gezeigt, dass Langeweile kreative Kräfte freisetzen kann. So sollten sich Probanden in einem Experiment an der University of California ungewöhnliche Verwendungsmöglichkeiten für einen Ziegelstein ausdenken. Die eine Hälfte der Teilnehmer musste anschließend eine weitere fordernde Aufgabe lösen, während die andere Hälfte einer langweiligen Tätigkeit nachging. Daraufhin wurden alle Probanden aufgefordert, sich noch einmal Verwendungsmöglichkeiten für den Ziegelstein auszudenken. Das Ergebnis: Diejenigen, die in der Zwischenzeit der monotonen Aufgabe nachgegangen waren, lieferten 40 Prozent mehr ausgefallene Ideen ab als die andere Gruppe.

Eine Erklärung für diese Ergebnisse könnte das so genannte Default Mode Network, das Ruhezustandsnetzwerk des Gehirns sein. Es wird beim Nichtstun aktiviert und sorgt offenbar dafür, dass wir vergangene Erlebnisse Revue passieren lassen und uns Träume oder Wünsche ausmalen. „Das Default-Mode-Netzwerk unterstützt die Selbsterkenntnis, das autobiografische Gedächtnis, soziale und emotionale Vorgänge und die Kreativität”, schreibt der Kongnitionswissenschaftler Andrew Smart. Sobald uns eine Aufgabe gestellt wird, wird das Netzwerk deaktiviert.

Ein Hoch auf die Langeweile!

Was heißt das für unsere tägliche Arbeit? Wir müssen uns öfter Pausen gönnen! Für die eine bedeutet das, öfter Kollegen anzustarren. Für den anderen, eine Runde um den Block zu spazieren oder sich fünf Minuten auf die Büroterrasse zurückzuziehen. Wie sagte Friedrich Nietzsche so schön: Die Langeweile sei „eine unangenehme Windstille der Seele, welche der glücklichen Fahrt und den lustigen Winden vorangeht.“

Sandra Stein

Sandra Stein

Sandra Stein ist Content und Editorial Manager bei Jobspotting. Über Frankreich, Luxemburg und den Ruhrpott bis Berlin - seit 2010 lebt sie in der Hauptstadt und hat nach Anstellungen in einer Kommunikationsagentur und der Inkubatoren-Szene jetzt den perfekten Rhythmus für Kind und Karriere gefunden. Sie unterstützt das Team von Jobspotting seit Ende 2014.

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