Was du tun kannst, um am Arbeitsplatz gesund zu bleiben

gesund am Arbeitsplatz

Arbeit macht krank. Das zumindest könnte man meinen, wenn man sich die Zahl der Krankschreibungen in Deutschland anschaut. Ganz so ist es nicht. Doch Berufstätige müssen aktiv werden, wenn sie gesund am Arbeitsplatz sein wollen.

Deutsche Arbeitnehmer sind so krank wie lange nicht. Darauf deutet zumindest eine Analyse der Krankenkasse DAK Gesundheit hin. Demnach betrug der Krankenstand im ersten Halbjahr 2016 4,4 Prozent und lag damit um 0,3 Prozentpunkte höher als im selben Vorjahreszeitraum. Mehr als jeder Dritte Berufstätige wurde mindestens einmal krankgeschrieben.

Die häufigsten Gründe für eine Krankschreibung waren Muskel-Skelett-Erkrankungen (21,7 Prozent), Atemwegserkrankungen (17,4 Prozent) und psychische Erkrankungen (15,9 Prozent). Während der Anteil der Atemwegserkrankungen im Vergleich zum Vorjahr abgenommen hat, haben Muskel-Skelett- und psychische Erkrankungen deutlich zugenommen.

Ob wir tatsächlich häufiger krank sind als noch vor ein paar Jahren, lässt sich aus den Zahlen schwer ableiten. Enzo Weber vom Insitut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung beispielsweise sieht einen Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Situation und der Anzahl an Krankschreibungen. “Die [Situation am Arbeitsmarkt] ist in den letzten Jahren immer besser geworden und dementsprechend kann man auch am Krankenstand sehen, dass man vielleicht die Zähne dann nicht mehr ganz so sehr zusammenbeißt”, sagt er in einem Gespräch mit der Welt. Will heißen: Je sicherer wir uns am Arbeitsplatz fühlen, desto eher bleiben wir krank zu Hause.

Trotz allem wirft die Analyse kein gutes Licht auf die gesundheitliche Situation am Arbeitsplatz. Insbesondere die Zahlen zu Muskel-Skelett-Erkrankungen und psychischen Leiden sind besorgniserregend. Auch andere Untersuchungen zeigen: Wie wir heute arbeiten, kann uns krank machen. Wir bewegen uns zu wenig, wir sitzen zu viel, wir sind durch hohe Anforderungen, enormen Leistungsdruck und ständige Erreichbarkeit gestresst.

Gesund am Arbeitsplatz, geht das ?

Statt allerdings mit dem Finger auf ‘die Digitalisierung’ zu zeigen und zu sagen ‘Die ist schuld’, müssen sich Unternehmen und Mitarbeiter überlegen, wie sie in der modernen Arbeitswelt für gesünderes Arbeiten sorgen können. Der schnellste Weg, um einen Wandel herbeizuführen, ist, beim eigenen Verhalten anzusetzen. Wie kannst du selbst dafür sorgen, dass du dich weniger gestresst fühlst und deinem Körper trotz Arbeit etwas Gutes tun? Wie bleibst du gesund am Arbeitsplatz?

Nach der Arbeit abschalten

Jeder zweite Deutsche fühlt sich gestresst, hat eine ADP-Studie aus dem Jahr 2015 ergeben. Europaweit belegt Deutschland damit den zweiten Platz in Sachen Stressempfinden.

Als Lösung betrachten viele Arbeitnehmer eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Freizeit und flexiblere Arbeitszeitmodelle. Während an dieser Stelle die Unternehmen gefragt sind, gibt es auch Bereiche, die du selbst beeinflussen kannst, um Dauerstress zu vermeiden. So ist es beispielsweise sinnvoll, ein Feierabendritual einzuführen. Sei es Sport treiben, Musik hören, dich mit Freunden treffen. Irgendwann versteht dein Körper: Jetzt ist Freizeit angesagt! Auch Internetpausen und eine gute Planung des folgenden Arbeitstages können dabei helfen, dass du dich weniger gestresst fühlst.

Urlaub nehmen

Kürzlich haben wir im Journal über die so genannten FOTAL – Fear Of Taking Annual Leave – berichtet. Immer mehr Menschen weltweit trauen sich nicht, ihren Urlaubsanspruch vollständig wahrzunehmen. Gründe sind die hohe Arbeitsbelastung, die Angst vor Nachteilen für die Karriere oder das Gefühl, die Kollegen mit der Arbeit allein zu lassen. Doch nur wer sich regelmäßig Auszeiten gönnt, kann auch im Job gute Leistungen bringen. Denn auch wer seinen Job liebt, braucht hin und wieder Abstand davon. Also: Nimm dir den Urlaub, der dir zusteht und geh für eine Weile offline. Wenn das bei Vorgesetzten oder Kollegen nicht gut ankommt, solltest du dir gut überlegen, ob das Unternehmen wirklich zu dir passt.

Bewegung in den Alltag integrieren

Fast die Hälfte aller deutschen Arbeitnehmer arbeitet mittlerweile am Schreibtisch, heißt es in einer aktuellen Untersuchung der Deutschen Krankenversicherung (DKV) und des Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung der Sporthochschule Köln (DSHS). Im Durchschnitt sitzen wir sieben Stunden pro Werktag, auch nach Feierabend bewegen wir uns viel zu wenig.

Insbesondere auf die hohe Zahl an Muskel-Skelett-Erkrankungen dürfte das viele Sitzen erheblichen Einfluss haben. Umso wichtiger ist es, wieder mehr Bewegung in den Alltag zu bringen. Dazu gehört nicht nur, regelmäßig Sport zu treiben, sondern sich auch rund um den Arbeitsalltag mehr zu bewegen. Mach dich beispielsweise zu Fuß oder auf dem Fahrrad auf zur Arbeit, steig öfter Treppen oder steh regelmäßig auf und vertritt dir die Beine. Du kannst sogar kleine Yoga-Einheiten im Büro machen.

Gesunde Ernährung auch am Arbeitsplatz

Neben Phasen der Entspannung und regelmäßiger Bewegung spielt auch die Ernährung eine große Rolle für ein gutes Leben. Sich auch in hektischen Zeiten am Arbeitsplatz gesund zu ernähren mag eine Herausforderung sein – ist aber gar nicht so schwer, wenn du einige Dinge beachtest. Greif in den Pausen statt zu Schokoriegeln zu Obst, Nüssen oder Gemüse. Nimm dir häufiger etwas zu essen von zu Hause mit oder setz auf Salate und Gerichte mit viel Gemüse, wenn du in der Kantine oder auswärts isst. Das Wichtigste aber ist: Nimm dir Zeit! So verschaffst du dir nicht nur eine Pause, sondern gibts deinem Körper die Möglichkeit, sich aufs Essen zu konzentrieren. Und nichts anderes.

Natürlich reichen diesen Maßnahmen nicht aus. Auch die Arbeitgeber sind aufgefordert, für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu sorgen. Indem sie beispielsweise darauf achten, dass flexibles Arbeiten nicht zu einem ständigen Bereitschaftsdienst ihrer Leute ausartet. Indem sie Arbeitsplätze ergonomisch ausstatten oder Sport in den Pausen möglich machen. Indem sie sich genau überlegen, welche Art von Essen in ihren Mensen auf den Tisch kommt. Denn nur wenn beide Seiten Anstrengungen leisten, wird der Arbeitsplatz zu einem Ort, der anregt und inspiriert, statt krank zu machen.

Sandra Stein

Sandra Stein

Sandra Stein ist Content und Editorial Manager bei Jobspotting. Über Frankreich, Luxemburg und den Ruhrpott bis Berlin - seit 2010 lebt sie in der Hauptstadt und hat nach Anstellungen in einer Kommunikationsagentur und der Inkubatoren-Szene jetzt den perfekten Rhythmus für Kind und Karriere gefunden. Sie unterstützt das Team von Jobspotting seit Ende 2014.

DAS UPGRADE FÜR DEINE JOBSUCHE