Jess Erickson: “Je diverser Unternehmen sind, desto eher sind und bleiben sie attraktiv für Frauen”

Jess Erickson, 500 Startups & Geekettes

Jess Erickson ist Programmdirektorin bei 500 Startups und Gründerin der Geekettes, einer weltweiten Organisation für Frauen in Tech. Wir haben mit ihr über Startups, Diversity und die Kraft von Communities gesprochen.

Es heißt, das Leben sei eine Reise. Jess Erickson nimmt sich dieses Sprichwort sehr zu Herzen. Aktuell lebt sie in Kalifornien, doch Beruf und Leben haben sie bereits an verschiedenste Orte weltweit gebracht – darunter Städte wie London, Seoul und Berlin.

In Deutschland kennt man Erickson vor allem als Gründerin der Geekettes, einer Community für Frauen in Tech, die sich von Berlin aus von einer Facebook-Gruppe zu einer Organisation entwickelt hat, die in neun Hubs weltweit aktiv ist. Das aktuellste darunter ist Gaza. Obwohl Jess Erickson bis heute stark in die Aktivitäten der Community involviert ist, widmet sie heute ihre meiste Zeit ihrer Verantwortung als Programmdirektorin bei 500 Startups, einem führenden Venturekapitalgeber und Accelerator.

„Tech-Unternehmertum ist ein Treiber von Innovation, schafft Arbeitsplätze und bringt neue Talente hervor“

Während Erickson davon überzeugt ist, dass Technologie der Treiber für Innovation und Wandel ist, muss sie gleichzeitig anerkennen, dass die Branche mit denselben Probleme zu kämpfen hat, die fast alle Industrien weltweit betrifft: Sie wird vornehmlich von weißen, reichen Männer geführt. In echter Startup-Manier ist es also Zeit für ein bisschen Disruption. Vor einigen Monaten haben wir daher mit ihr darüber gesprochen, warum Diversity so wichtig ist, wie Unternehmen ihre Einförmigkeit überwinden können und wie es um Frauen in Tech steht.

Dein ursprünglicher Plan war es in die Musikindustrie einzusteigen, doch du bist schnell in der Startup-Szene gelandet. Wann hast du deine Liebe zu Technologie entdeckt?

Ich wollte immer für ein Musiklabel arbeiten. Nachdem ich meinen Master in London abgeschlossen hatte, zog ich nach New York und erkannte schnell, dass [die Branche] aus dem letzten Loch pfiff. Nach meiner Anstellung bei einem Label heuerte ich bei einem Tech-Startup in New York an – und es war wie Liebe auf den ersten Blick! Ich arbeitete in einem Team von fünf Leuten in einem winzigen Kämmerchen mitten in Manhattan, wir bauten eine Plattform namens SpeakLike. Dadurch erkannte ich, wie mächtig Technologie tatsächlich ist, wie grenzenlos sie ist und dass dir die Arbeit in einem jungen Tech-Unternehmen es ermöglicht, Menschen aus aller Welt kennenzulernen.

Doch sie richtig eingetaucht bin ich in die Startup-Welt erst in Berlin. Die Stadt katapultierte mich auf das nächste Level – ich half dabei, Startups aufzubauen, ich baute ein Bildungsstartup mit auf, gründete Geekettes und das brachte mich schließlich zu 500 Startups.

Für 500 Startups bist du nach San Francisco gezogen. Was sind aus deiner Sicht die größten Unterschiede zwischen der Tech-Szene in Berlin und im Valley?

Das lässt sich schwer sagen – es ist, als würdest du Äpfel mit Birnen vergleichen. Das Silicon Valley gibt es seit Jahrzehnten und ich glaube nicht, dass irgendein Ökosystem versuchen sollte, es gänzlich zu kopieren. Berlin hat seine ganz eigene DNA, Identität und eine andere Art, die Dinge anzugehen. Gleichzeitig gibt es Bereiche, die im Silicon Valley bereits etabliert sind, in denen Berlin noch Einiges aufzuholen hat.

Ganz offensichtlich gibt es in Berlin weniger Exits. Es ist auch weniger Risiko- oder Downstream-Kapital vorhanden. Allerdings hat die Stadt einige hart arbeitende Gründer, die bootstrappen. Aus meiner Sicht gibt es diese Energie und diese Herangehensweise so nicht im Valley. Ich glaube, Gründer im Silicon Valley sind stärker abgesichert als in Berlin. Wenn aus ihrem Startup nichts wird, können sie einfach zu Google oder Apple wechseln. Es gibt dort unzählige Jobs! Insofern lässt sich sicherlich behaupten, dass Berliner Gründer etwas härter arbeiten.

„Wenn du so viele Stunden und harte Arbeit investiert, um ein Unternehmen mit aufzubauen, dann solltest du wirklich das Gefühl haben, dass es auch ein bisschen dir gehört. Ich bin überzeugt, dass dich das antreibt und produktiver macht, weil du dich in gewisser Weise wie ein Gründer fühlst.“

Die Vorteile des Silicon Valley hingegen sind weltklassige Accelerator-Programme, ein mächtiges Ökosystem, ein intensiver Austausch mit Stanford – was eine starke Alumni-Basis hervorbringt, die mit der Business-Welt vernetzt ist – sowie Hunderte von Investoren in der gesamten Gegend. All das macht ein perfektes und erstklassiges Startup-Ökosystem, an dem es eigentlich nichts auszusetzen gibt – außer vielleicht die Mieten!

Ist das Valley also immer noch das bessere Ökosystem als Berlin?

Ich weiß nicht, ob besser das richtige Wort ist, allerdings sind Volumen und Dichte höher. Ich glaube, dass jeder zustimmen würde, wenn ich sage, dass Tech-Unternehmertum ein Treiber von Innovation ist, Arbeitsplätze schafft und neue Talente hervorbringt. Wer von Erfolgsgeschichten umgeben ist, der erkennt, dass es möglich ist, etwas auszuprobieren. Außerdem gibt es eine starke Equity-Kultur und die Möglichkeit, Anteile an einer Firma zu bekommen. Ich glaube, dass das hier nicht so verbreitet ist. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich deutlich mehr Anteile an Firmen fordern, für die ich in Berlin gearbeitet habe. Damals wusste ich es nicht besser, ich war ziemlich naiv. Bevor du heutzutage im Valley anfängst für ein Early Stage Startup zu arbeiten, fragst du erstmal nach Anteilen.

Wie verhandelst du das, wenn du bisher nicht für ein Startup gearbeitet hast?

Wenn du gerade von der Uni kommst und erste Berufserfahrung sammeln willst, hast du vermutlich nicht die stärkste Verhandlungsposition. Schließlich kannst du dich glücklich schätzen, überhaupt Erfahrung machen zu können. Doch wenn du ein talentierter Entwickler bist oder richtig gut bist in deinem Bereich, welcher das auch sein mag… Wenn du etwas Nützliches einbringst und gleichzeitig ein niedrigeres Gehalt in Kauf nimmst, solltest du unbedingt nach Anteilen fragen! Angenommen, das Unternehmen entwickelt sich nach fünf Jahren richtig gut und wir aufgekauft oder geht an die Börse. Stell dir vor, du hast Anteile. Du könntest zum Millionär werden! Wenn du so viele Stunden und harte Arbeit investiert, um ein Unternehmen mit aufzubauen, dann solltest du wirklich das Gefühl haben, dass es auch ein bisschen dir gehört. Ich bin überzeugt, dass dich das antreibt und produktiver macht, weil du dich in gewisser Weise wie ein Gründer fühlst.

Du bist viel gereist und hast an vielen unterschiedlichen Orten gelebt. Glaubst du, dass der Ort, an dem du lebst, deine Arbeitsweise beeinflusst?

Es ist wirklich interessant wie anders ich als Person von Stadt zu Stadt bin. Als ob sich meine Identität komplett wandeln würde. In Berlin fühlt sich alles so entspannt an, es ist wie eine zweite Heimat. Ich habe hier dreieinhalb Jahre gelebt und noch viele alte Freunde aus dieser Zeit. Ich habe zudem das Gefühl, dass Leute die Arbeit, die ich geleistet habe, mehr wertschätzen seit ich weg bin. Wie etwa den Erfolg von Geekettes! Heute gibt es all diese neuen Frauen, die Mentorenprogramme aufsetzen und coole Sachen umsetzen! Ich bin immer noch mit Geekettes verbunden, aber eher auf einer globalen Ebene und weniger operativ in Berlin.

Jess Erickson, Program Director at 500 Startups

Wie ist Geekettes ursprünglich entstanden?

Während meines ersten Jahres in Berlin arbeitete ich für 6Wunderkinder und besuchte eine Tech-Konferenz. Ich erinnere mich, dass ich den Raum taxierte – ich war ein Grünschnabel, völlig neu in der Szene – und vielleicht fünf Frauen in einem Raum mit 200 Männern ausmachte. Ich hab mir gedacht: ‘Das ist ja völlig beschissen! Wo sind die Frauen?’

Nachdem ich mit dem Networken angefangen hatte, traf ich etwa acht Frauen und organisierte ein Abendessen. Ich stellte ihnen meine Idee einer Gruppe für Frauen in Tech vor – als Mittel, mehr Frauen anzuziehen und sich als Mitglieder einer Minderheit gegenseitig zu unterstützen – und sie waren davon begeistert. Ich meinte, okay, heute Abend erstelle ich eine private Facebook-Gruppe, ein Logo – designt von einer Frau! Unser erstes Meetup hatten wir schließlich bei Zoe Adamovicz zu Hause, die später meine Mentorin wurde. Das wiederum hat mich dazu inspiriert, das Mentorenprogramm ins Leben zu rufen, das heute eigenständig läuft.

„Wir müssen weitermachen, Druck ausüben und ein Momentum erschaffen, um den Wandel herbeizuführen.“

Es ist witzig, wie die Dinge manchmal laufen. Es hat mit einem schlichten Meetup angefangen, entwickelte sich zu einer Workshop-Reihe, zu crazy Hackathons und schließlich zu einem Demo Day! Ich glaube zu Beginn gab es viele Kritiker, doch als wir die ersten Erfolge vorweisen und zeigen konnten, dass wir Frauen anziehen – oder sie einfach in der Tech-Branche halten konnten – war das eine riesen Sache, für die wir viel Zuspruch aus der Community bekamen.

Was genau hat andere Frauen in Tech dazu bewogen, Teil einer Organisation wie Geekettes zu werden?

Ich glaube, es war dieses Gefühl nicht wirklich reinzupassen. Indem sie andere Frauen in der Community kennenlernten, erkannten sie, dass sie nicht alleine sind und in dieser Hinsicht auf Solidarität treffen durften. Sie konnten über Probleme bei der Arbeit sprechen. Falls es geschlechtsbezogene Schwierigkeiten am Arbeitsplatz gab, konnten wir das vertraulich bereden…

Letztlich werden Frauen auch weiterhin einen harten Kampf zu kämpfen haben. Sie werden mit Diskriminierung konfrontiert sein und einer Minderheit angehören, doch ich möchte mich nicht zu sehr auf das Negative fokussieren. Ich möchte nach Lösungen suchen und mich darauf konzentrieren, wie wir wir uns gegenseitig aufbauen und bestärken und ja, einen echten Unterschied in der Tech-Branche machen können. So wie Grace Hopper, Ada Lovelace und all diese Frauen aus der Vergangenheit, die wir bewundern. Wir müssen weitermachen, Druck ausüben und ein Momentum erschaffen, um den Wandel herbeizuführen.

„Tatsache ist doch, dass in den meisten Ländern Vorurteile und Muster tief verwurzelt sind und wir auf ganz bestimmte Rollen im Leben vorbereitet werden.“

Ernsthaft, mir ist schleierhaft wie Menschen das nicht verstehen können. Selbst im Valley triffst du Leute, die dich fragen “Warum machst du diese Gruppen für Frauen in Tech?” und ich antworte “Weil wir immer noch eine kleine Minderheit sind.” Im Bereich Venture Capital machen Frauen lediglich sechs Prozent der gesamten Community aus. Diese Themen müssen diskutiert und Lösungen getestet werden. Solange das nicht passiert, werde ich wohl nicht damit aufhören.

Haben gesellschaftliche Erwartungen einen Einfluss darauf, dass es so wenige Frauen in Tech gibt, besonders unter Programmierern?

Ich glaube, dass die Medien maßgeblich mitbestimmt haben, wie Technologie bei vielen Frauen meiner Generation oder sogar aus nachfolgenden Generationen gesehen wird. Es braucht eine komplette Neuausrichtung. Ich fand die #ILookLikeAnEngineer-Kampagne z.B. richtig gut. Kleine Beispiele wie dieses zeigen, dass du kein weißer, privilegierter Mann mit einem Stanford-Abschluss sein musst, um ein erfolgreicher Entwickler zu werden. Und ehrlich gesagt bin ich überzeugt, dass mittlerweile fast jeder online Programmieren lernen kann. Du musst dafür wirklich nicht an die Uni gehen. Du kannst es dir selbst beibringen.

Es besteht zudem diese Auffassung, dass es kaum weibliche Entwickler gäbe. Doch dann gehst du auf die Grace Hopper Konferenz und triffst plötzlich tausende. Sie sind eben nur nicht so leicht zu finden. Sie scheinen ein- oder zweimal im Jahr alle auf einer Konferenz zusammenzutreffen und sind selbst überrascht – ganz nach dem Motto ‘Boah, es gibt uns wirklich!’.

Du hast also diese Elemente [gesellschaftlichen Drucks]. Doch ich denke es zu sehen heißt daran zu glauben und es schließlich zu werden. Ich sage diesen Satz immer wieder. Wenn ich nämlich mächtige Frauen vor mir gesehen hätte, die großartige Karrieren aufbauen, dann hätte ich selbst womöglich eher gedacht ‘Oh, vielleicht sollte ich an der Uni Programmieren lernen’. Das Angebot gab es, doch die Frauen um mich herum nahmen es nicht wahr und man selbst neigt ja dazu, bestimmten Mustern zu folgen.

Siehst du die Gefahr, dass reine Frauenorganisationen die gleiche Art von Exklusivität hervorrufen, gegen die sie anzukämpfen versuchen?

Tatsache ist doch, dass in den meisten Ländern Vorurteile und Muster tief verwurzelt sind und wir auf ganz bestimmte Rollen im Leben vorbereitet werden. Die Mehrheit folgt diesem einen Weg. Ich glaube daher, dass diese Frauengruppen dazu beitragen, dies zu durchbrechen.

„Ich glaube, dass du einen Blick über den Tellerrand deiner Blase oder deines Umfeldes werfen solltest. Wer das macht, der merkt schnell, wie machtvoll das ist.“

Schau dir nur die Macht der LeanIn-Bewegung an! 25.000 Frauen organisieren diese Kreise und diskutieren über Geschlechterrollen und unbewusste Vorurteile am Arbeitsplatz. Sie sprechen darüber, wie Frauen nach einer Gehaltserhöhung fragen können und wie man Sprache und Körpersprache machtvoll einsetzt – über all diese Dinge, die vor einigen Jahren niemand je diskutiert hat.

Was können Unternehmen tun, um die alten Muster zu durchbrechen?

Durch die Tech-Brille betrachtet würde ich männlichen Geschäftsführern und Gründern empfehlen, ganz früh Frauen einzustellen – wenn nicht sogar eine Mitgründerin. Ich glaube, dass es wichtig ist, sehr früh Frauen in Führungspositionen zu haben, da das die Identität und Kultur eines Unternehmens von Beginn an maßgeblich verändert. Unternehmen, die proaktiv versuchen Frauen, Minderheiten und Menschen, die sich einfach von der Norm unterscheiden, einzustellen, nehmen das in ihre DNA auf.

Das würde ich daher empfehlen. Wenn du keine qualifizierte Frau oder kein qualifiziertes Mitglied einer Minderheit finden kannst, dann solltest du sie dennoch einstellen, sie intern weiterbilden und dabei unterstützen, die nötigen Fähigkeiten zu erlangen. Die Entschuldigung “Naja, da gibt’s keine qualifizierten Leute” mag ich überhaupt nicht. Dann sorg selbst dafür, dass es sie gibt!

Außerdem glaube ich, dass du einen Blick über den Tellerrand deiner Blase oder deines Umfeldes werfen solltest. Wer das macht, der merkt schnell, wie machtvoll das ist. Außerdem solltest du es nicht bloß als Problem bei der Einstellung betrachten. Betrachte es ganzheitlich und langfristig auch innerhalb deines Unternehmens. Wenn du Frauen sagst ‘Hey, du bist sehr wichtig für unser Unternehmen. Wir möchten langfristig mit dir zusammenarbeiten und sind bereit alles dafür zu tun, dass du erfolgreich wirst’ – dann ist das eine unglaublich kraftvolle Botschaft.

Viele Unternehmen sagen so etwas nicht. Viele Startups haben einfach keine Ahnung! Der Grund, warum ich zu 500 Startups gegangen ist, ist, dass ein Mitgründer eine Frau ist. Die Hälfte der Venture Partner sind Frauen, die Hälfte der geschäftsführenden Gesellschafter sind Frauen. Natürlich möchte ich eher für so ein Unternehmen arbeiten als für einen anderen Risikokapitalgeber, wo nur Männer sind. Ich achte auf so etwas und ich bin sicher, dass andere Frauen das auch tun. Je diverser Unternehmen sind, desto eher sind und bleiben sie attraktiv für Frauen.

Welchen Ratschlag würdest du Frauen geben, die innerhalb ihres Unternehmens nicht die nötige Unterstützung finden?

Wenn du bei der Arbeit keine Unterstützung hast, solltest du dich nach einem coolen Netzwerk umschauen – wie etwa Women 2.0, Geekettes, Rails Girls usw. –, dem du beitreten kannst. Die Unterstützung wirst du in jedem Fall bekommen. Dabei muss es nicht einmal ein Frauennetzwerk sein. Letztlich kann jede Art von Community hilfreich sein, mit der du dich identifizierst und deren Prinzipien und Werte du teilst. Ich wünschte manchmal, ich hätte all das zu Beginn meiner Karriere gewusst, denn ich hab mich echt verloren gefühlt. Ich hatte keine Ahnung, mit wem ich sprechen könnte. Ich hatte zunächst keinen Mentor. Jetzt, im Rückblick, waren meine Mentoren das Wichtigste für mich.

Abgesehen von spezifischen Programmen, auf welchen Wegen kann man Mentoren finden?

Ich glaube, dass du sie auf natürlichem Wege findest. Wie gesagt, sofern ihr ähnliche Interessen habt und auf einer Wellenlänge seid. Ich habe beispielsweise mit Courtney O’Donnell gearbeitet, die Head of External Affairs bei Airbnb ist. Früher war sie im Weißen Haus tätig, während ich für die Landesregierung in Wisconsin gearbeitet hatte. Wir fanden direkt eine gemeinsame Ebene und so wurde sie so etwas wie meine Mentorin. Das muss gar nicht formalisiert werden. Du wirst automatisch von Leuten angezogen, die einen ähnlichen Hintergrund und ähnliche Interessen haben, allerdings musst du selbst aktiv werden, indem du dich rauswagst und netzwerkst.

Was würdest du all denjenigen raten, die sich beim Netzwerken unsicher fühlen? Wie sollten sie es angehen?

Für den Anfang solltest du ein oder zwei Personen im Raum ausmachen, die du kennenlernen möchtest. Überfordere dich nicht mit dem Gedanken ‘Oh Mann, ich muss alle 20 Menschen in diesem Raum kennenlernen’. Suche dir ein oder zwei Personen aus, um in Schwung zu kommen. Häufig triffst du so bereits auf eine Person, die vielleicht ebenfalls eher introvertiert ist. Ihr könnt euch zusammentun und ein Gespräch starten.

Extrovertierte Leute hingegen sollten eher diejenigen ausmachen, die allein unterwegs sind, sich mit ihnen austauschen, sie anderen Leuten vorstellen und ihnen das Ganze erleichtern. Es geht darum, sich gegenseitig zu unterstützen und die Wünsche und Bedürfnisse aller Beteiligten auszumachen. Sofort nach einem Gefallen zu fragen hingegen ist tabu.

Ich glaube letztlich geht es darum natürlich aufzutreten, Interesse zu wecken und anderen im Gedächtnis zu bleiben. Wenn du ein bloßes Programm abspulst und versuchst, dein Startup zu pitchen oder uninteressanten Quatsch erzählst, dann will ich mich nicht noch einmal mit dir unterhalten.

Erzähl einen Witz, mach dich über etwas lustig, nimm nicht alles zu Ernst. Bring die Leute zum Lachen! Versuche sie als Menschen kennenzulernen. Versuche zu erfahren, wo ihre Interessen liegen, welche Hobbies sie haben. Sprich über alles, was nicht mit Tech zu hat – das zahlt sich letztlich immer aus. Am Ende des Tages sind es deine Freunde und die möchten dir helfen. Eigentlich ist es wie in jeder anderen menschlichen Beziehung auch.

Aus dem Englischen übersetzt von Sandra Stein.

Carrie M. King

Carrie M. King

Carrie M. King ist verantwortliche Redakteurin des englischen Journal by Jobspotting. Die Wahlberlinerin, die 2014 aus Dublin in die deutsche Hauptstadt zog, hat zuvor in ihrer Heimat Irland als Journalistin und in der Literaturbranche gearbeitet. Sie freut sich über jegliche Ideen und Anregungen - du erreichst sie per Mail unter carrie@jobspotting.com.

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