Warum ein Kicker noch keine Unternehmenskultur macht

Immer mehr Firmen sind auf Facebook vertreten, sie twittern und lassen sich auf Plattformen wie kununu bewerten, um sich als attraktiven Arbeitgeber zu präsentieren. Das kann alles gut und richtig sein. Doch letztlich ist das Netz nur ein Kommunikationsmedium des Employer Branding. Seine Grundlage hingegen ist die Unternehmenskultur. Denn nur wenn die stimmt, gewinnt eine Firma die richtigen Talente.

Das familiäre Arbeitsumfeld vieler Startups dient klassischen Unternehmen gerne als Vorbild für eine innovative, authentische Unternehmenskultur. Da ist sicherlich etwas dran. Moderne, coole Firmen üben eine enorme Anziehungskraft insbesondere auf junge Arbeitnehmer aus.

Wer sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren möchte, braucht sich also bloß an den Angeboten hipper Unternehmen zu orientieren. Doch stimmt das wirklich? Was nämlich gerne übersehen wird: Nicht ein Kickertisch, Beer Friday oder ein gemeinsames Frühstück machen eine attraktive Unternehmenskultur aus, sondern die gelebten Werte.

Der Wille ist da, aber an der Moral hakt es

Ich habe einmal in einer Firma gearbeitet, die einen Kickertisch hatte. Frühstück gab’s auch einmal im Monat. Außerdem Sitzsäcke, Macbooks und flexible Arbeitszeiten. Den Kicker nutzten viele Mitarbeiter, weil sie eigentlich keine Lust auf ihre Arbeit hatten. Das Frühstück, an dem die Geschäftsführer so gut wie nie teilnahmen, bereiteten die Assistentinnen immer alleine vor. Als ich vorschlug, ob nicht im Wechsel vier bis fünf Leute die Vorbereitung des Frühstücks in Teamarbeit vornehmen könnten, bekam ich von der Marketingchefin lediglich die Antwort, dass die Leute sicherlich keine Lust hätten, das selbst zu übernehmen.

Außerdem traute sich kaum jemand, die Firma vor 18 Uhr zu verlassen. Das könnte schließlich bei den Kollegen und Vorgesetzten komisch ankommen.

Erst Werte machen eine coole Unternehmenskultur

Dieses Beispiel zeigt: Die Maßnahmen und Angebote eines Unternehmens können noch so toll sein. Solange allerdings die damit verknüpften Werte wie etwa Team Play, Respekt, Offenheit oder Flexibilität nicht auch im Unternehmensalltag gelebt werden, machen sie alleine keine anziehende Firmenkultur aus.

Die Autoren Ralph Meyer und Felix Dannegger drücken es in ihrem Beitrag für das Buch War for Talents so aus: “Authentische Arbeitgebermarken sind dann nachhaltig erfolgreich, wenn die intendierte Unternehmenskultur weitgehend mit der gelebten Kultur im Unternehmen übereinstimmt.”

„Culture eats strategy for breakfast“ – Peter Drucker

Wer sich als interessanter Arbeitgeber positionieren, die eigenen Mitarbeiter halten und neue Talente gewinnen möchte, der darf daher nicht nur auf dem Papier eine großartige Kultur haben, sondern sie tatsächlich auf jeder Ebene der Organisation authentisch leben.

Ähnlich sieht das auch Philippe von Borries, der vor elf Jahren das erfolgreiche Medienunternehmen refinery29 gründete:

“Ich glaube, da geht’s (…) um Werte. Wir denken einfach darüber nach, wie wir die Marke nicht nur außerhalb für unser Publikum leben, sondern auch nach innen. Es geht darum, Individualität, Kreativität und das Nutzen von Gelegenheiten auch im Unternehmen zu fördern.“Philippe von Borries

Gelingen kann das, wenn Unternehmen ein klares Selbstverständnis, eine deutliche Positionierung und einen eigenen Wertekanon entwickeln. Und Mitarbeiter einstellen, die genau das teilen.

Wie das klappt? Indem man bei der Auswahl neuer Leute nicht nur auf das Skill Set schaut – sprich Kenntnisse, Fähigkeiten, Erfahrungen -, sondern auch das Mind Set berücksichtigt, sagen Ralph Meyer und Felix Dannegger.

Dabei gilt es herauszufinden, was den Mitarbeiter motiviert und antreibt, woraus er Sinn zieht und welche Werte er vertritt. Wenn diese mit der Unternehmenskultur in Einklang stehen, sind die Voraussetzungen gegeben, dass sich eine fruchtbare Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer entwickelt, die nicht gleich angesichts erster Herausforderungen zerbricht.

Authentizität ist Trumpf

Es kommt also darauf an, die Werte zu definieren, die ein Unternehmen ausmachen, diese sowohl nach außen wie auch nach innen zu leben und Mitarbeiter zu finden, die sich darin wiederfinden. Das schließt natürlich nicht aus, regelmäßig gemeinsam zum Mittagessen zu gehen, eine Kinderbetreuung anzubieten oder Team-Events zu organisieren. Unternehmen sollten sich lediglich darüber im Klaren sein, dass solche Angebote nicht ausschlaggebend sind bei der Entscheidung für einen Arbeitgeber. Was viel mehr zählt ist, dass Unternehmen sich selbst treu bleiben und eine authentische Kultur entwickeln und leben, die zur Firma, zu den Führungskräften, zum Team und zum Produkt passt.

Leseempfehlungen:

New Work Book von XING | “Why Culture eats Employer Branding for Breakfast” von Oliver Viel und Dr. Lynn Schäfer

Sandra Stein

Sandra Stein

Sandra Stein ist Content und Editorial Manager bei Jobspotting. Über Frankreich, Luxemburg und den Ruhrpott bis Berlin - seit 2010 lebt sie in der Hauptstadt und hat nach Anstellungen in einer Kommunikationsagentur und der Inkubatoren-Szene jetzt den perfekten Rhythmus für Kind und Karriere gefunden. Sie unterstützt das Team von Jobspotting seit Ende 2014.

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